Wahrscheinlich das letzte schöne Wochenende im Oktober und es spukte uns schon länger im Kopf herum. Tobias und ich sind das letzte Mal vor bestimmt zehn Jahre zusammen länger mit dem Rad unterwegs gewesen. Damals sind wir von Karlsruhe nach Freiburg geradelt, navigierten mit einem Autoatlas und ernährten uns - einmal angekommen - ausschließlich in der Feierling Brauerei.

Nun sollte es mal wieder so weit sein. Wir hatten uns den fünf Flüsse Radweg ausgesucht. Erstens liegt er - wenn man in Nürnberg startet - ziemlich im geographischen Mittelpunkt zwischen unseren jeweiligen Domizilen und zweitens ließ sich der Track mühelos im Netz finden. Keine Zeit für große Vorbereitungen. Ich schaffe es wenigstens noch endlich mal einen Gepäckträger ans Vaya zu schrauben, vergesse dafür aber das Kartenmaterial aufs GPS zu spielen, zumindest der Track kommt mit. Tobias tritt mit Achter im Vorderrad und nur einer Bremse an auf seinem Stadtradl an, da sich sein Rennrad mit Rahmenbruch verabschiedet hat.

Natürlich streiken am Samstag die Zugführer, also disponieren wir kurzfristig um, fahren Auto und treffen uns in Lauf am Bahnhof. Schade das Lauf scheinbar x verschiedene Bahnhöfe hat. Nach etwas hin und her finden wir uns auf dem Markplatz und machen uns auf den Weg.

Auf geht's!

[caption id="attachment_481" align="alignnone" width="720"]Noch ist alles ganz entspannt: Andi am Bahnhof (Beijing) Noch ist alles ganz entspannt: Andi am Bahnhof (Beijing)[/caption]

So fühlt sich also der Lachs kurz vor dem Laichen, während er zusammen mit tausenden anderen Lachsen einen viel zu schmalen Strom erklimmt, um eine fernes Ziel zu erreichen, an dem er seine Last abwerfen kann.

In meinem Fall ist das ferne Ziel der Ausgang des Pekinger Bahnhofes und um mich herum stöhnen, schwitzen und schleppen tausende andere ihre Koffer, Taschen und Tüten. Stehen bleiben ist genauso wenig möglich wie sich Flügel wachsen zu lassen und einfach abzuheben. Ich würde sagen, ich fühle mich wie eine Sardine in der Büchse. Der Büchsensardine fehlt allerdings die Impetus sich vorwärts zu bewegen. Vielleicht fühlt sich so die Sardine in der Rohrpost?

Dieser Artikel würde schwer werden, das wurde mir direkt klar, als die Dinge anfingen schief zu laufen. Wobei, das stimmt nicht, eigentlich liefen die Dinge schon schief als ich kalte Füße bekam und mir ausrechnete, das wir uns wohl besser nicht auf unser Glück als Reisende verlassen sollten und lieber zwei Plätze im Schlafsaal des einzigen - angeblich - besten Hostels in Irkutsk reservieren sollten.

Die Alternative wäre gewesen es darauf ankommen zu lassen und auf ein Zimmer im Bahnhofshotel oder dem benachbarten und als anständig beschriebenen Minihotel zu spekulieren.

Naja, sicher ist ja schließlich sicher und der Spatz in der Hand ist doch besser als die Taube auf dem Dach. Überhaupt sollte es ja nur für eine Nacht sein, die Lage war auch super und so schlimm wird es schon nicht werden.

Damals: Katholische Jugendfreizeit - gemacht damit Eltern mal wieder Zeit hatten sich ihrer eigentlichen Aufgabe, der Vermehrung der Gemeinde zu widmen - da ging das mit dem Schlafsaal ja auch.

Es gibt Momente, da hört man das Universum schallend lachen, während es sich mit den großen Händen auf die Runden Schenkel klopft und Cola aus den Nasenlöchern spritzt.